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Laut einer Studie des Fraunhofer ISI sind Fuhrunternehmen offen für den Umstieg auf alternative Antriebe. Um diese grundsätzliche Bereitschaft in den tatsächlichen Umstieg zu überführen, braucht es sowohl Entwicklungen in Technologie und Infrastruktur als auch politische Unterstützung.

 

Der Verkehr hat einen Anteil von etwa 20 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen Deutschlands. Da der zu 99 Prozent durch Diesel angetriebene schwere Güterfernverkehr zu den Hauptverursachern gehört, kann die Umstellung der Lkw-Antriebe auf CO2-neutrale Technologien einen großen Beitrag zur Emissionsreduktion leisten. Die Anforderungen für den Umstieg auf alternative Antriebe hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in einer quantitativen Studie ermittelt. An der Analyse nahmen 70 Personen aus Deutschland teil, vor allem Geschäftsführer von größtenteils mittelständischen Fuhrunternehmen. Obwohl diese Auswahl aufgrund der Größe des Transportsektors nicht repräsentativ ist, lassen die Ergebnisse Rückschlüsse auf die Gesamtheit zu. Untersucht wurde unter anderem, welche Anforderungen die Befragten an die Fahrzeuge haben und welche Bedingungen die zukünftige Infrastruktur erfüllen muss.

 

Im Hinblick auf die ökonomischen Anforderungen sind sich die Befragten weitgehend einig: Besonders wichtig sind die Gesamtkosten über den ganzen Lebenszyklus hinweg sowie die Zuverlässigkeit. Diese beiden Faktoren sind stark voneinander abhängig, da Fahrzeugausfälle und Reparaturkosten hohe Verluste verursachen können. Hier gilt es, beispielsweise über Demonstrationsprojekte Transparenz und Vertrauen zu schaffen, sodass alternative Antriebe als zuverlässige und praktikable Alternativen zu konventionellen Antrieben wahrgenommen werden.

 

Durch den hohen Wettbewerbs- und Kostendruck in der Speditions- und Logistikbranche haben die Unternehmen wenig finanziellen Spielraum – insbesondere für die Umsetzung umweltfreundlicher Maßnahmen. Die Untersuchung des Fraunhofer ISI zeigt aber, dass vielen Befragten ökologische Aspekte wichtig sind: Unter anderem stimmten mehr als 50 Prozent der Aussage zu, dass alternative Antriebe aus Klimaschutzgründen von besonderem Interesse für die Unternehmen sind. Die Antworten in dieser Kategorie gingen jedoch im Vergleich zu den ökonomischen Anforderungen sehr weit auseinander, was auf einen derzeitigen Wandel der Meinungen hindeutet.

 

Bei der Frage nach der Bereitschaft, auf alternative Antriebe umzusteigen, stimmten 50 Prozent (eher) zu, während 27 Prozent noch unentschlossen sind. Vor allem größere Unternehmen zeigten sich umsteigebereit. Ein wichtiger Grund ist, dass sie eher über die finanziellen Mittel für die teure Anschaffung alternativer Antriebe verfügen. Durch die höheren durchschnittlichen Fahrleistungen und die niedrigeren Betriebskosten rentieren sich die Investitionen bei ihnen zudem schneller. Weiterhin führen größere Organisationen eher Leitlinien ein, in denen unternehmerische Sozialverantwortung und Umweltschutz verankert sind.

 

Ein weiterer Teil der Befragung zielte darauf ab, Informationen für die Gestaltung der zukünftigen Infrastruktur alternativer Antriebe zu erhalten. Für die Bereitschaft, Umwege zum Tanken oder Laden zu machen, ergab sich ein Mittelwert von 20 Kilometern. Die generell akzeptierte Tank- beziehungsweise Ladedauer liegt bei 15 Minuten, die durchschnittlich geforderte Mindestreichweite eines Lkw beträgt etwa 800 Kilometer. Diese ermittelten Ergebnisse zeigen die größte Herausforderung für den Umstieg: Die geforderte Mindestreichweite ist mit heutigen alternativen Antrieben nur begrenzt möglich, die Tankstelleninfrastruktur im Hinblick auf Umwegebereitschaft und Ladedauer noch nicht ausreichend. Da die Europäische Kommission fordert, dass bis 2030 die CO2-Emissionen von Nutzfahrzeugen um 15 Prozent sinken sollen, müssen hier in der kommenden Dekade deutliche Fortschritte erzielt werden.

 

Philipp Kluschke, Hautautor der Studie, betont: „Damit die Umstellung des schweren Straßengüterverkehrs auf CO2-neutrale Antriebe gelingt, müssen deren Zuverlässigkeit und ihr Beitrag zur Reduktion der Total Cost of Ownership demonstriert sowie durch Förderprogramme und politische Maßnahmen sichergestellt werden. Entscheidend für die Verbreitung ist auch die Reduktion der Investitionen, etwa über staatliche Zuschüsse oder über die Förderung der Entwicklung und Produktion. Unverzichtbar sind direkte staatliche Eingriffe für den Aufbau der Infrastruktur, dies können die Unternehmen nicht allein leisten. Nicht zuletzt sollten das Wissen und die praktischen Erfahrungsmöglichkeiten erhöht werden, zum Beispiel durch Demonstrations- und Aufklärungsprojekte. Unsere Befragung hat gezeigt: Wer über alternative Antriebe Bescheid weiß, ist dem Umstieg gegenüber offener.“